Die Erde gehört niemandem. Boden ist kein Produkt menschlicher Arbeit. Er war da, bevor wir kamen, und wird da sein, wenn wir gehen. Dennoch behandeln wir ihn als Ware – als etwas, das man kaufen, verkaufen und horten kann.

Henry George hat 1879 in Progress and Poverty gezeigt, dass privates Bodeneigentum die Wurzel wachsender Ungleichheit ist. Seine Beobachtung: Je mehr eine Gesellschaft an Wohlstand gewinnt, desto mehr steigen die Bodenpreise – und desto mehr wird derjenige belohnt, der Land besitzt, nicht derjenige, der arbeitet.

Die Lösung, die George vorschlug, war einfach: Eine einzige Steuer auf den Bodenwert. Nicht auf Gebäude, nicht auf Arbeit, nicht auf Handel – nur auf den Wert des Bodens selbst. Denn dieser Wert entsteht nicht durch den Eigentümer, sondern durch die Gemeinschaft: durch Infrastruktur, Nachbarschaft, öffentliche Investitionen.

Artikel 15 des Grundgesetzes hält diese Möglichkeit offen: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden."

Die Allmende – das gemeinschaftlich genutzte Land – war über Jahrhunderte die Normalität. Erst die Einhegungen (Enclosures) ab dem 15. Jahrhundert haben das Land privatisiert und die Menschen von ihrer Lebensgrundlage getrennt. Was wir heute als selbstverständlich betrachten – dass Boden jemandem „gehört" – ist historisch die Ausnahme, nicht die Regel.

Die Frage ist nicht, ob wir uns eine Welt ohne Bodeneigentum leisten können. Die Frage ist, ob wir uns eine Welt mit Bodeneigentum noch leisten können.